Zurück zu den Wurzeln

Am kommenden Samstag, den 15. August, findet die 27. Fuckparade in Berlin statt. Sie war 1997 ursprünglich als politische Gegendemonstration zur kommerziellen Love Parade entstanden. Mit der Wiederbelebung der Love Parade als „Rave the Planet“ ist auch die Fuckparade zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und startet wie früher am Bunker in der Reinhardtstraße in Mitte, parallel zu „Rave the Planet“.

Der Gründer und Anmelder der Fuckparade, DJ Trauma XP (Martin Kliehm), erklärt dazu: „Wir brauchen politische Demonstrationen für die Techno-Szene, die mehr fordern als nur ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘. Nach der letzten Studie der Clubcommission arbeiten 40% der Berliner Clubs nicht kostendeckend, fast ein Viertel denkt darüber nach, im nächsten Jahr aufzugeben. Steigende Miet- und Energiekosten, aber auch die unverschämten Gagen für Instagram-Stars sorgen dafür, dass Clubs ums Überleben kämpfen und sich Besucher:innen zweimal überlegen, ob sie sich den Eintritt leisten können. Wir brauchen eine Gegenbewegung für experimentelle Programme und gegen den kommerziellen Star-Kult, wie er auf ‚Rave the Planet‘ zelebriert wird.

Gleichzeitig wachse der rechtliche Druck auf die Free-Party-Szene, die traditionell das Gegenmittel zu Überkommerzialisierung und staatlicher Regulierung darstellten. Kliehm weiter: „Neue gesetzliche Regelungen in mehreren Ländern haben es riskanter denn je gemacht, ein Soundsystem aufzubauen und sich für ein paar Stunden oder Tage einen Raum anzueignen. In Italien und Polen kam es zu massiven Polizeirazzien gegen Parties, bei denen Lautsprecher und Ausrüstung beschlagnahmt und Polizeigewalt gegen Feiernde ausgeübt wurde. Frankreich hat gerade ein Gesetz vorgeschlagen, das Raves grundsätzlich illegal machen würde, wobei Organisator:innen und Gäste Geldstrafen in Höhe von mehreren Tausend Euro riskieren.“ Die Fuckparade wollte darum an der Französischen Botschaft vorbeiziehen; um Fluchtwege von „Rave the Planet“ freizuhalten, wurde darauf aber verzichtet.

Gerade nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD habe man sich entschlossen, jetzt erst recht zu demonstrieren. „Der CSD ist ein emanzipatorischer Protest, entstanden aus den Stonewall-Protesten gegen Polizeirazzien in Schwulenclubs. Man darf ihn nicht bloß auf Feiern und Liebe reduzieren. Auch auf unserer Demonstration treten wir gegen die Verdrängung von Sub- und Clubkultur ein, gegen Razzien, steigende Mietpreise und Gentrifizierung. Beide Demonstrationen sind politisch. Beide stehen für Diversität. Das ist ein ernstes Anliegen. Die Zeit zum Feiern ist danach auf den After Parties.

Die Fuckparade startet um 14 Uhr unter dem Motto „(un)fuck the planet“ mit Reden am Bunker („Hardest Club on Earth“) in der Reinhardtstraße, zieht dann durch Mitte, den Prenzlauer Berg und Friedrichshain, vorbei an vielen ehemaligen Club-Locations und endet am Leipziger Platz, wo einst der berühmte Tresor stand. Es nehmen acht Soundsysteme von House bis Gabber daran teil. Erwartet werden 3000-5000 Teilnehmende.

Seit letztem Jahr führen die Veranstalter eine Klage beim Verwaltungsgericht gegen unzulässige Lärmauflagen. Schon 2001 bis 2007 hatten sie in Klagen ihren Demonstrationsstatus vom Bundesverfassungsgericht und vom Bundesverwaltungsgericht bestätigen lassen.

Kontakt:


www.fuckparade.org